6 Monate nach dem Austausch

Hallo und willkommen zurück auf meinem Blog!

Es sind tatsächlich schon 6 Monate vergangen seit ich nach Deutschland zurück gereist bin. Manchmal kommt mir ein Austauschjahr wie ein Traum vor, aber andererseits kommt es mir vor als wäre es erst gestern gewesen. Natürlich denke ich jetzt noch viel an mein Austausch in Japan zurück, ehrlich gesagt jeden Tag und fast jede Minute.

Bevor ich mein Austauschjahr begann, habe ich mich auch informiert wie es sich anfühlt nach 10 Monaten wieder nach Hause zu kommen. Es wurde immer von einem großen Kulturschock geredet und dass man sich nicht so schnell einlebt. Ehrlich gesagt ging es bei mir aber ganz schnell mit dem Einleben und von einem Kulturschock habe ich auch nicht viel bemerkt. Es war alles genau so wie vor 10 Monaten. Es hat sich einfach nichts verändert. Mir wurde auch gesagt ich habe mich kaum verändert, obwohl immer die Rede davon war, dass man sich nach dem Austauschjahr sehr verändert. Naja nach meinem eigenen Gefühl fühle ich mich trotzdem verändert. Ich habe so viele Erfahrungen gemacht und so viele Menschen kennengelernt, die mir sofort ans Herz gewachsen sind. Ich finde ich bin selbstbewusster geworden und habe mehr feste Ziele im Kopf. Es klingt für euch vielleicht komisch, aber ich fühle mich einfach insgesamt zufriedener und glücklicher mit meinem Leben.

Ich habe aus Japan viele Gewohnheiten mitgebracht. Seit ich aus dem Flugzeug gestiegen bin ist zwar ein halbes Jahr vergangen, aber ich ertappe mich immer noch dabei wie ich mich verbeuge. Selbst wenn ich nur zu jemanden Hallo oder Danke sage macht mein Körper automatisch eine leichte Verbeugung. Manchen meiner Freunde ist das auch aufgefallen und lachten darüber. In Japan hatte ich mir außerdem angewöhnt, wenn ich etwas verneint habe meine Hände zu überkreuzen und so zu schütteln. Auch darüber wird viel gelacht, aber in Japan hat mir das meine Gespräche um einiges erleichtert. Solche alltäglichen Sachen gewöhnt man sich nicht so schnell ab 😀

Mit meinen Gastfamilien und Freunden habe ich natürlich noch Kontakt. Ich traue mich zwar nicht so mit dem Telefonieren, aber wir schreiben viel Nachrichten hin und her. Vor allem zum Neujahr haben sie mir auch Fotos geschickt, was mich jedes mal freut! Ich habe meiner Japanischen Klasse vor Dezember einen Adventskalender geschickt worüber sie sich sehr gefreut haben! Jetzt bin ich dabei Fotobücher für meine Gastfamilien als Erinnerung zu gestalten, aber das dauert doch länger als ich dachte. Ich schaue mir oft Fotos an und lese die Abschiedsbriefe zum Hundertsten mal. Ich vermisse Japan sehr! Immer wenn ich an die Zeit denke kommt in mir so eine Sehnsucht hoch. Ich wöllte dann am liebsten sofort in Den Flieger zurück nach Japan steigen! Trotz dessen habe ich nicht viel geweint, aber an einem Tag kam das wohl in einem Ausbruch heraus. Das war als ich meine Abschiedsrede übersetzt habe. Ich war völlig fertig und konnte gar nicht aufhören zu heulen. Ich glaube das war der Tag wo ich bemerkt habe, dass es wirklich vorbei ist. Ich vermisse meine Gastfamilien, wobei ich jede Familie schon als meine eigene Familie bezeichnen kann. Ich vermisse auch meine Freunde mit denen ich so viel Spaß hatte und die mir so viel geholfen haben! Es ist selten sowas zu sagen, aber ich vermisse meine Schule! Die Lehrer, die Schüler, den Unterricht, ja selbst den Gottesdienst und vor allem die Schuluniform. Ich ziehe diese manchmal einfach an um das Gefühl zurück zubekommen, wie ich zur Schule gegangen bin. Neben diesen wichtigsten Dingen vermisse ich auch Shimonoseki und Kitakyushu, die beiden Städte die zu meiner zweiten Heimat geworden sind. Es ist eine so schöne Gegend und ich habe es genossen jeden kleinsten Schrein zu suchen oder einfach shoppen zu gehen. Außerdem will ich endlich wieder japanisches Essen! Mein Reis fehlt mir so!! Der in Deutschland ist komplett anders. Ich weiß noch als ich zurück gekommen bin hat mir der Reis gar nicht geschmeckt haha 😀 Nicht zu vergessen ist auch Japanisch. Die Sprache ist so schön zu sprechen. Ich vermisse den Klang, der mit Deutsch nicht zu vergleichen ist. Mein Japanisch hat sich noch nicht verschlechtert, sagen meine Gastfamilien. trotzdem fehlen mir manchmal Vokabeln, die ich vorher konnte. Das war natürlich zu erwarten, weil ich hier nicht täglich Japanisch spreche.

Dann komme ich gleich mal zum Thema Japanisch, denn natürlich kann ich das nicht einfach vergessen. In Japan habe ich in den letzten Monaten schon relativ viel auf Japanisch gedacht und bis jetzt ist mir ein bisschen erhalten geblieben. Wenn ich alleine bin oder einfache alltägliche Dinge tue, denke ich teilweise noch auf Japanisch. Ich will es auch echt nicht vergessen. In den ersten Monaten ist mir doch ab und zu ein Japanisches Wort rausgerutscht, vor allem in spontanen Situation. Ein Beispiel wäre als ich bei einem Karate Lehrgang war und mich plötzlich jemand gefragt hat, ob es mir gut geht und ich einfach auf Japanisch „daijoubu!“ antwortete. Da wird man echt schräg angeguckt, aber es ist lustig. Meistens passiert mir es im Französisch-Unterricht und zwar jetzt noch. In den ersten Französisch Stunden konnte ich kein Wort Französisch mehr, da ich alles auf Japanisch dachte. Es war wie weg. Inzwischen komme ich besser zurecht, aber meine Lehrerin muss gedacht haben ich bin verrückt. In Französisch denke ich noch am meisten Japanisch, vielleicht weil es auch eine Sprache ist die ich noch nicht so gut kann… Ich habe mich Anfang des Schuljahres angestrengt mich wieder an Französisch zu erinnern indem ich mir französische Youtuber angeguckt habe und mir durch Apps Vokabeln beigebracht habe. Ich bin froh, dass alles wieder nach und nach gekommen ist und ich nicht alles vergessen habe. In den anderen Schulfächern komme ich viel besser zurecht als ich dachte. In Japan habe ich nicht viel vom Unterricht verstanden und es war allgemein ganz anderer Stoff als in Deutschland. Ah! In Englisch habe ich angeblich einen japanischen Akzent! Meine Freundin hat mir das irgendwann gesagt und ich bemerke es selbst echt gar nicht. Ich habe zwar selbst den Japanischen Akzent bei meiner japanischen Klasse gehört, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich mir den annehme. Solange man mein Englisch versteht ist ja alles gut 😀

 

Mein Alltag in Deutschland besteht eigentlich nur aus Japan. Ich habe noch immer keinen richtigen Abschluss von dem Austauschjahr gefunden. Von meiner Organisation fiel die Abschluss-Orientation aus, was ich wahrscheinlich gebraucht hätte. Ich bin jetzt einem Japan-Verein in Meißen beigetreten und bin so froh endlich Menschen gefunden zu haben, die genauso von Japan fasziniert sind wie ich! Nach einem ersten Treffen hoffe ich, dass ich viel helfen kann und mein Interesse und vielleicht auch meine Erfahrungen teilen kann.

Mir wurden bis jetzt so viele Fragen gestellt… während und nach meinem Austauschjahr. Ich beantworte jede Frage gern, vor allem wenn ich jemanden helfen kann der auch nach Japan reisen möchte. Die häufigste Frage war wie ich Japanisch gelernt habe und diese Frage ist nicht schnell zu beantworten, deshalb werde ich dazu am besten einen Blogeintrag schreiben. Ich wurde auch oft gefragt, was ich jetzt in meiner Zukunft vorhabe. Ich werde auf jeden Fall in der Richtung Japanisch aktiv bleiben und auf mein Ziel, nach Japan zurück zukehren, hinarbeiten.

Danke, dass ihr meinen Blog so fleißig gelesen habt! Meine Beiträge werden sich weiterhin mit Japan befassen. Auch wenn ich eines Tages zurück nach Japan komme, werde ich davon berichten. Bei Fragen könnt ihr mich immer ansprechen!

Mit ganz lieben Grüßen, eure Lea ^^

 

PS: Während ich diesen Beitrag verfasst habe, ist mir etwas in Erinnerung gekommen. Es ist einer der emotionalsten Momente bei meinem Abschied gewesen. Meine Gastmutter sagte mir, wenn ich wiederkomme soll ich mich nicht wie ein Gast fühlen sonder wie ein Familienmitgleid und ich soll mit einem „tadaima!“ in der Tür stehen. „tadaima“ sagt jeder Japaner, wenn er zurück nach Hause kommt und ich habe es auch jeden Tag nach dem ich zurück kam gesagt, es bedeutet einfach „Ich bin wieder zu Hause“. 

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