Schuljahresbeginn in Japan

Willkommen zurück! 

Ich entschuldige mich für die Verspätung 😀 

Am Schuljahresbeginn passierte ziemlich viel in der Schule! Erst Mal bekommen alle Schüler Hunderte Formulare und Broschüren über alles mögliche. Ich habe eigentlich über die Hälfte schon wieder weggeschmissen! Das ist eindeutig zu viel des Guten 😀

In der ersten Schulwoche wurden die 1.-Klässler begrüßt und neue Lehrer vorgestellt. Da so viele Lehrer aufgehört hatten, sind sehr viele neue Lehrer gekommen. Unser Schulleiter hat sich auch geändert. Im Unterricht haben wir nur zwei Lehrer vom letzten Jahr! In meine Klasse sind sechs Mädchen aus einer anderen Klasse dazu gekommen, aber die Jungen bleiben immer noch nur zu dritt. Immerhin sind wir in meiner Klasse nun 22. Meine Japanischlehrerin habe ich leider auch nicht mehr, weshalb der Japanischunterricht auch nicht stattfindet :/ Aber etwas Gutes: es ist eine neue Austauschschülerin gekommen! Sie ist in die erste Klasse der Senior High School (10.Klasse) gekommen. Sie kommt aus Thailand und fällt daher nicht so auf wie ich. Ich Frage mich ob es schwerer oder vielleicht leichter ist für sie Freunde zufinden. Sie musste sich, wie ich damals, vor der ganzen Schule vorstellen. Ich war irgendwie mit ihr aufgeregt obwohl ich sie noch kaum kannte 😀 

Anfang des Schuljahres findet in Japan immer eine Gesundheitsuntersuchung statt. Das wird sehr ernst genommen und man muss sogar eine Urinprobe abgeben! An diesem Tag hatten wir keinen Unterricht und waren den ganzen Tag in Sportuniform unterwegs. Jeder bekam ein Zettel und dann wurden in verschiedenen Zimmern Gewicht gewogen, Größe gemessen, Zähne untersucht und ein Sehtest gemacht. Zum Schluss noch ein Foto in Uniform für den Schülerausweis. Ich habe sowas zum ersten Mal erlebt und es ist echt seltsam diese Untersuchung in der Schule zu machen… 

In der zweiten Woche fand eine Veranstaltung für die Klubaktivitäten statt. Das heißt jeder Club sollte sich kurz für die neuen Schüler vorstellen. Ich konnte leider nur beim Kalligraphie Club mitmachen, aber der Teezeremonie Club hat sowieso nichts mehr gemacht als eine Rede gehalten. Im Kalligraphie Club haben wir jeden Tag vor der Vorstellung geübt. Wir haben ein großes Plakat mit riesen Pinseln beschrieben. Jeder hat ein kleines Stück geschrieben und dazu haben wir Musik ausgesucht. Das beste war, dass der Junge aus unserem Club und ein paar Lehrer, unter anderem der neue Schulleiter (!), zum Schluss getanzt haben 😀 Sowas würde sich kein deutscher Lehrer trauen haha 😀 Andere Clubs haben japanische Komiker aus dem Fernsehen nachgemacht oder etwas vorgespielt. In den Kalligraphie Club sind drei neue Mitglieder gekommen und in den Teezeremonie Club sind auch drei neue Mitglieder (sogar ein Junge 😮 ).

Anfang des Schuljahres kam auch noch ein Fotograf, aber das ist ganz anders als in Deutschland. Der Fotograf hat Fotos für die Werbung der Schule gemacht. Als erstes wurde ich mit einem Mädchen aus meiner Klasse in die Bibliothek gerufen und wir sollten auch die Sommeruniform mitbringen. In der Bibliothek trafen wir noch auf einen Jungen aus der Parallelklasse, einem Amerikanischen Lehrer und der thailändischen Austauschschülerin. Also größtenteils Ausländer xD Danach mussten wir in einem Raum einzelne Fotos machen. Da waren noch mehr Schüler unter anderem auch mein Gastbruder. Er war schon letztes Schuljahr auf der Webseite zu sehen 😀 Es hat sehr lange gedauert, aber ich fande es amüsant, da wir so Posen einnehmen sollten, die einfach nur in Japan gemacht werden 😀 Leider habe ich die Fotos selbst noch nicht gesehen. Das ganze hat bis 19 Uhr gedauert. 

Bei meiner neuen Gastfamilie habe ich mich gut eingelebt und inzwischen mir auch den Weg zur Schule gemerkt. Nur Anfang des Schuljahres habe ich früh den falschen Bus genommen 😀 Ich bin in die komplett andere Richtung gefahren und bin irgendwann ausgestiegen und habe meine Gastmutter angerufen. Sie hat mir gesagt, dass ich einfach den Bus auf der anderen Seite nehmen soll. Die Frage war nur welcher fährt zum Bahnhof… Das habe ich dann einfach selbst im Bus nachgefragt 😀 Ich war ziemlich verzweifelt, weil der Bus so langsam war und ich ja zur Schule musste! Zum Glück habe ich noch den richtigen Zug geschafft und in Shimonoseki noch Mal im Bus nachgefragt, ob der zu meiner Schule fährt. Und dann bin ich nur gerannt, aber nicht alleine. Es waren noch ein paar andere zu spät 😀 Zum Glück kam meine Klassenlehrerin ein bisschen zu spät so dass es niemanden aufgefallen ist. Das war ein Erlebnis… Ich werde jetzt immer zwei Mal gucken in welchen Bus ich steige.

Vor einer Woche war mein Geburtstag! Noch ein Mal Danke an alle die an mich gedacht haben, auch wenn es mit den verschiedenen Zeitzonen verwirrend war 😀 Ich habe mich über jeden Glückwunsch gefreut! 

Zu meinem Geburtstag war meine Gastfamilie kaum zu Hause. Früh hatten meine Gastschwester und mein kleinster Gastbruder ein Konzert für Klavier. Abends sind meine Gasteltern zu einem Jazz Konzert​ nach Fukuoka gefahren. Aus diesem Grund habe ich mich mit meinen Freunden getroffen und wir hatten einen wunderschönen Tag! Es war sehr warmes Wetter mit blauem Himmel, deshalb haben wir ein Picknick gemacht und dann verschieden Spiele gespielt und ganz viel süßes gegessen! Ich habe von meine Freunden kleine Geschenke bekommen, was ich gar nicht erwartet habe! Ich war so glücklich!! Zwei meiner Freunde haben mir sogar einen Brief geschrieben und eine hat mir meine Lieblings Charaktere aus einem Anime gezeichnet​ ^^ 

Am darauffolgenden Tag ist meine Gastfamilie mit mir und einer Freundin essen gefahren und da habe ich doch noch ein kleines Geburtstagsgeschenk bekommen und eine Torte! Da die Freundin ein paar Tage vor mir Geburtstag hatte, haben wir die Torte zusammen bekommen. Diese wurde von dem Restaurant selbst gemacht und nur für uns ein Geburtstaglied gespielt und alle haben mit geklatscht! Wir haben uns so gefreut! Vor allem wurde der Glückwunsch auf Deutsch geschrieben 😀 

Nun war diese Woche schon wieder frei von der Schule. Es war Golden week, das ist eine Woche wo es viele Feiertage hinter einander gibt. So haben die Japaner, die sich sonst nicht frei nehmen auch Mal Urlaub. Meine Gastschwester und Gastmutter mussten aber trotzdem arbeiten? Jedenfalls war es deshalb überall richtig voll. Im Kino musste man auch richtig anstehen, dass hatte ich hier noch nie erlebt! Am Dienstag und Mittwoch war ich in Shimonoseki bei einen traditionellen Fest. Am Dienstag (war noch Schule) wurden die Thailänderin und ich von einem Professor von der Universität mitgenommen zu den Fest. Dabei waren noch zwei Mädchen aus Australien, die ab und zu als Englisch Lehrer ander Uni arbeiten. Der Lehrer war auch Ausländer und zwar aus Taiwan. Das eigentlich Fest fande noch nicht statt und ich wusste nicht was uns erwartet. Wir sollten richtig an einer Zeremonie teilnehmen!! Uns wurde ein Kimono angezogen und nach dem alles ganz hektisch war mit Essen, Fotos machen und Erklärungen sollten wir auf einem gebauten Weg in einem Schrein entlang laufen. Uns Ausländer haben übrigens um die 20 Fotografen fotografiert! Das war gruselig… Jedenfalls geht es bei der Zeremonie um den kleinen Kaiser Antoku, welcher schon als kleines Kind gestorben ist. Es gab zwischen zwei Familien Schlachten und da die Familie von Antoku der Niederlage nahe stand, sah die Großmutter keinen Ausweg mehr und ist mit dem kleinen Kaiser ins Meer gegangen​ um nicht gefangen genommen zu werden. Deshalb wurde dieser Schrein gebaut. Der nachfolgende Kaiser hat zu Ehren des jungen Kaisers dieses Fest jedes Jahr eingeführt. Dieses Fest gibt es soweit ich gehört habe, nur in Kyoto und vielleicht auch Tokyo(?).  Am Dienstag wurde auch die Familie und Antoku nachgestellt bzw so eingekleidet in traditionellen Kimono. Sie sind als erstes in den Schrein gegangen und wir sind ihnen sozusagen gefolgt. Es wurden hauptsächlich Fotos gemacht, aber nur von Fotografen die ich nicht kenne, sodass ich auch kein Foto davon haben werde 😦 Nur der Lehrer aus Taiwan hat uns noch fotografiert! (Meine europäischen Augen haben das Sonnenlicht nicht ausgehalten und leider nur getränt, weshalb es nur wenige Fotos mit offenen Augen gibt).

Am Mittwoch ist meine Gastmutter und ihre Freundin mit ihrer Tochter, welche auf meine Schule geht, mit mir zum Fest gegangen. Es war richtig voll! Wir konnten erst gar nicht zu den Schrein, da die Security niemanden mehr reinlassen wollte. Nach und nach durften wir zum Glück noch rein. An den Tag haben wir noch Mal viele Frauen im Kimono gesehen und ich war dann erst Mal überrascht was ich erfahren habe. Die Frauen in den schönsten Kimono waren früher Prostituierte und sollten diese auch darstellen! Da fragt man sich doch warum sich so viele Menschen diese anschauen wollen! Es geht wahrscheinlich nur um den Kimono. Es war tatsächlich wunderschön und mit meinen Ausländerbonus durften wir ohne zu bezahlen noch in den Schrein rein und von nahen diese Frauen ansehen. 

Auf dem Fest habe ich ein Interview mit einem japanischen Journalisten gemacht! Ich war total überfordert und auf japanisch sich auszudrücken ist echt schwer. Der junge Mann war aber ganz nett und freundlich und schon am nächsten Tag bekam ich eine Nachricht von meiner ersten Gastfamilie, dass ich in der Zeitung stehe 😀 Die Zeitung mainichi ist eine der vier größten in Japan! Ich bin echt überrascht, dass ich es sogar in die Zeitung geschafft habe 😮 

So den Rest der Woche habe ich einen Tag mit einem Berg besteigen mit meinen Gasteltern und meinem jüngsten Gastbruder und einem Treffen meiner vorherigen Gastfamilie verbracht. Ich wollte sowieso einen japanischen Berg Mal hoch wandern, da die Aussicht immer so schön ist! Da wir perfektes Wetter hatten, war es wirklich wunderschön! Wir haben sogar Cup-Ramen (japanische Nudelsuppe) gegessen! Ich habe meinen ersten Sonnenbrand bekommen 😀 Wir haben viele netten Menschen getroffen und ich leider auch viele Insekten 😦 Es hat aber wirklich gut getan sich zu bewegen und die Landschaft ist so schön!

Wie erwähnt war ich noch ein Tag bei meiner zweiten Gastfamilie. Ich glaube mit der Familie habe ich mich am besten wohl gefühlt. Ich habe sie echt vermisst! Wir waren Bowling spielen und haben zusammen Spiele zu Hause gespielt ^^ 

Das war Mal wieder lang! Danke fürs Lesen! Bis zu meinem Rückflug sind es nur noch weniger als 50 Tage! 

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